Petit GuilhemNérac · Südwestfrankreich
Domaine du Petit Guilhem
Nérac · Südwestfrankreich

Geschichte

GESCHICHTE

Ein Anwesen mit tiefen Wurzeln

Das Domaine du Petit Guilhem ist nicht nur ein Ort für die Pferdehaltung: Seine Geschichte reicht zweitausend Jahre zurück. Im Park stehen zahlreiche Bäume, die mehrere Jahrhunderte alt sind.

Römische und mittelalterliche Ursprünge

Unter einem der Badezimmer im Erdgeschoss liegt eine römische Zisterne. Ihre Wände sind in der typischen römischen Bauweise aus regelmäßig angeordneten kleineren Steinen errichtet. Ihr römischer Ursprung wurde durch eine archäologische Untersuchung bestätigt. Das überrascht kaum: In Nérac stand einst eine große römische Villa. Zweitausend Jahre alte Mosaiken aus dieser Zeit werden im Parc de la Garenne und im Rathaus ausgestellt. Im Hof von Petit Guilhem stehen drei gleichmäßig proportionierte Rundbögen. Historiker halten sie für Überreste von Mönchszellen eines ehemaligen Klosters. Im Mittelalter gab es in Nérac 32 Klöster, von denen eines durchaus an dieser Stelle gestanden haben könnte. Solche Bögen sind typisch für mittelalterliche Klöster in Südwestfrankreich; Zellen gleicher Bauweise sind in einem Kloster im Zentrum von Nérac erhalten.

Römische und mittelalterliche Ursprünge

Es lässt sich daher annehmen, dass auf dem Anwesen Petit Guilhem bereits in römischer Zeit Gebäude standen, die im Laufe der Jahrhunderte wiederholt erweitert, abgetragen, neu errichtet und verändert wurden.

Ein Brunnen nach königlichem Vorbild

Ein Brunnen nach königlichem Vorbild

Der Brunnen im Park ist im gleichen Stil erbaut wie die Brunnen des Parc Royal de la Garenne, der im 16. Jahrhundert als Teil des Geländes des königlichen Schlosses von Nérac angelegt wurde. Der Brunnen in Petit Guilhem wurde höchstwahrscheinlich nach deren Vorbild errichtet. Er wird noch heute mit Quellwasser aus den Pyrenäen gespeist.

Ein Brunnen nach königlichem Vorbild

1663 Die erste schriftliche Erwähnung

Das „Domaine du Petit Guilhem“ erscheint bereits 1663 in den Archiven der Gironde. Die Dokumente zeichnen die Geschichte des Anwesens innerhalb der Familie Jausselin nach. Isaac de Jausselin (1570–1629), ab 1599 Schatzmeister des Albret, heiratete Marthe de Brassay. Ihr Sohn Jean de Jausselin, Herr von La Grange, Petit Guilhem, Caudéré und weiteren Gütern, folgte ihm 1636 nach und starb um 1652. Er hinterließ seine Witwe Madeleine de La Borde und kleine Kinder, die unter die Vormundschaft ihres Onkels Isaac de La Borde gestellt wurden. 1655 heiratete Madeleine den Adligen Jean de Martin, einen Rittmeister, der zum gerichtlich bestellten Verwalter des Vermögens seiner Stiefkinder wurde. Mit Urkunde vom 18. Juni 1663 verkaufte Isaac de La Borde den Großteil des Erbes an Jean de Martin: das Adelshaus La Grange und die Mühle Sourbet für 30.000 Livres sowie Petit Guilhem für 16.000 Livres. Durch Urteil vom 2. Juni 1676 wurde der Verkauf aufgehoben und Petit Guilhem fiel an die Familie Jausselin zurück.

Zusammenfassung der in den Archiven der Gironde aufbewahrten Unterlagen

1663 Die erste schriftliche Erwähnung

1775 und die Zeit der Landsitze

Die Jahreszahl 1775 ist in den Schlussstein über der Tür eines Gebäudes eingemeißelt, das vermutlich zu jener Zeit zum Anwesen hinzugefügt wurde.

1775 und die Zeit der Landsitze

Ein von der Geschichte geprägter Landsitz

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts kamen die ersten künstlichen Düngemittel auf. Die landwirtschaftlichen Erträge stiegen erheblich und lösten eine rege Bautätigkeit auf dem Land aus. Petit Guilhem, vermutlich schon damals ein bedeutender landwirtschaftlicher Betrieb, entwickelte sich allmählich zu einem eleganten Landsitz. Im Haus wurden neue Räume geschaffen und ausgestaltet.

Ein vom Château de Malmaison inspiriertes Esszimmer

Das bemerkenswerteste Beispiel ist das große ovale Esszimmer, das dem Speisezimmer der Kaiserin Joséphine im Château de Malmaison nachempfunden wurde. Nachdem Handwerker und Maler ihre Arbeiten in Malmaison um 1802 abgeschlossen hatten, zogen sie in die Provinz und zeigten potenziellen Kunden und Gutsbesitzern Skizzen des Schlosses der Kaiserin. In Petit Guilhem entstand daraus ein stark von Malmaison inspiriertes und in Frankreich einzigartiges Esszimmer.

Seitdem wurde den Gebäuden vergleichsweise wenig hinzugefügt. Die aufeinanderfolgenden Eigentümer konzentrierten sich vielmehr auf eine sorgfältige Renovierung, bewahrten die historisch bedeutenden Elemente und arbeiteten den ursprünglichen Charakter des Hauses heraus.

Ein vom Château de Malmaison inspiriertes Esszimmer

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